Der Preis des TikTok-Erfolgs: Worauf mich niemand vorbereitet hat
An einem Tag postest du noch aus reiner Freude, am nächsten Tag beobachten Tausende jede deiner Bewegungen. Die Welt von TikTok wirkt von außen glänzend, leicht und verlockend. Doch es gibt eine Seite davon, über die kaum jemand ehrlich spricht. Genau darüber möchte ich jetzt erzählen.
Schon lange trug ich diesen Gedanken mit mir herum. Nicht, um jemanden vom Erstellen von Inhalten abzuhalten, sondern um ein realistisches Bild davon zu geben, was passiert, wenn Aufmerksamkeit plötzlich auf dich gerichtet ist. Denn Erfolg lässt sich nicht nur in Zahlen messen, und er bleibt nicht immer ohne Folgen.
Als ich begann, hatte ich keinen ausgeklügelten Plan. Ich lebte bei meinen Großeltern, fuhr täglich zur Arbeit und teilte einfach Ausschnitte aus meinem Alltag. Ich grüßte meine Familie, Freunde und Verwandten – zu Hause und im Ausland. Dann tauchten plötzlich fremde Gesichter auf. Nachrichten, Kommentare, Reaktionen. Es fühlte sich gut an. Es war aufregend. Und man gewöhnt sich schneller daran, als man denkt.
Die ersten starken Reaktionen hatte ich schon früher erlebt, noch zu Facebook-Zeiten. Ein Beitrag bekam damals unerwartet viele Likes, und ich verstand zum ersten Mal, welche Kraft in Aufmerksamkeit steckt. Auf TikTok vervielfachte sich dieses Gefühl: Hunderttausende, später sogar Millionen Aufrufe, zehntausende Follower. Von außen betrachtet war es eine klare Erfolgsgeschichte.
Doch parallel dazu zeigte sich auch die Schattenseite. Konkurrenzdenken, Missgunst, offene Angriffe. Alte Bekannte begannen zu provozieren, Inhalte zu melden, gezielt Druck auszuüben. Und dann kam der Moment, der alles veränderte: Mein Account wurde gesperrt. Alles, was ich mir aufgebaut hatte, war von einem Tag auf den anderen weg.
Das hat mir deutlich gemacht, dass soziale Medien kein stabiles Fundament sind. Man kann darauf aufbauen, ja – aber man darf sein ganzes Leben nicht darauf gründen. Technik und Ausstattung sind wichtig, doch entscheidender ist, wer du bist und wie du anderen begegnest. Die Menschen sehen nicht nur deine Videos, sie beobachten auch deine Reaktionen.
Mit der Zeit wurde mir klar, dass Persönlichkeit und Marke untrennbar miteinander verbunden sind. Eine Marke ist kein Logo, keine Farben, kein Sound. Eine Marke ist das Bild, das im Kopf der Menschen entsteht, wenn sie deinen Namen hören oder dein Gesicht sehen. Davon kann es nur eines geben. Mehrere Rollen gleichzeitig zu spielen, funktioniert auf Dauer nicht.
Auch das Thema mentale Gesundheit lässt sich nicht ausklammern. Soziale Medien sind kein sicherer Raum. Man braucht Menschen außerhalb der Plattformen, mit denen man offen über das sprechen kann, was online passiert. Menschen, die nicht an Reichweite interessiert sind, sondern daran, dass es dir gut geht. Ohne diesen Rückhalt kann der Druck erdrückend werden.
Der Umgang mit Hass und Beleidigungen ist eine eigene Lernkurve. Nicht jeder Kommentar verdient eine Antwort. Oft schaue ich mir an, von wem er kommt, mit welcher Absicht. Manche blockiere ich einfach. In anderen Fällen zeigt eine ruhige, klare Reaktion mehr über mich als über den Angreifer. Wie du reagierst, prägt dein Bild stärker als der Angriff selbst.
Und dann gibt es noch das Thema Oversharing. Vielleicht die größte Falle von allen. Nicht alles gehört ins Internet. Vollständiger Name, Geburtsdatum, Einkommen, private Details – all das kann missbraucht werden. Nur weil jemand neugierig ist, heißt das nicht, dass er ein Recht auf diese Informationen hat. Der Wunsch nach Aufmerksamkeit darf niemals wichtiger sein als Sicherheit und Würde.
Wenn ich dir am Ende eine einzige Sache mitgeben darf, dann diese: Soziale Medien sind ein Werkzeug, kein Lebensziel. Nutze sie bewusst, baue etwas auf, aber bleib dir selbst treu und schütze das, was wirklich zählt. Erfolg kann schnell kommen – doch das innere Gleichgewicht musst du selbst bewahren.

